Varvara’s Weisheit

2008 habe ich ein Stipendium für Journalismus gewonnen und verbrachte den Herbst in Berlin. Eines Tages fragte mich ein potentieller Arbeitgeber, wo ich mich in fünf Jahren sehe. In fünf Jahren… In diesem Moment konnte ich die Frage nicht beantworten, wo ich an diesem Abend sein würde. „In fünf Jahren werde ich, genau wie jetzt, die Dinge tun, die mir am besten gefallen, und ich werde ein Häuschen für meine Freunde haben, “ antwortete ich voller Freude. Für einen deutschen Arbeitgeber war diese Antwort ein Anzeichen für Faulheit.
Meine Freunde aus Berlin erinnern sich bis heute lachend an diese Geschichte – genauso wie an die Tatsache, dass man einem möglichen Arbeitgeber auf solch eine Frage anders antworten sollte.
Nun sind fünf Jahre vergangen. Ich bin wieder mit einer mir liebgewonnen Arbeit beschäftigt und der Hauswunsch für meine Freunde lebt weiter.
Meine Uroma Varvara sagte einst: „Es gibt die Zeit und das Zeitstückchen.“ Uromas lügen nicht – das ausgesprochene Wort hat dem nicht durchdachten Wort alle Perspektiven geklaut. Doch jetzt führt es mich zum Wünschen.

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