Der Junge und das Gold

IMG_0036Wir wissen nicht, ob diese Geschichte wahr ist, doch als sie sich ereignete, lebte ein kleiner Junge, den alle wegen seiner goldenen Haare lieb hatten. Wohin er auch ging, riefen die Menschen: „Schaut nur! Was für ein Engel er ist!“ Der kleine Junge wurde älter – und seiner Haare dunkler. Erstmal wurde aus dem Gold seiner Haare ein dunkles Braun. Dann fingen sie an auszufallen – ein Haar nach dem anderen. Doch der Junge merkte das nicht. Er malte Wolken und zählte die Sterne.
„Du bist ein dummer Junge“, sagte seine Mutter. „Du hast nicht auf dein Gold aufgepasst.“
„Bestimmt liegt das daran, dass ich so oft in den Himmel schaue“, dachte der Junge. „Aber das ist nicht so schlimm“, dachte der Junge. „Das Gold des Betrachtens aller Schönheiten sammelt sich in meinem Herzen.“
Seine Schwester war sehr verärgert und schimpfte mit ihm: „Immer machst du alles verkehrt! Freust dich an Nichtigkeiten!“ Nur sein Vater war ruhig und schüttelte mit dem Kopf.
Alle Menschen sahen nun jemand anderen in ihm: Einen erwachsenen, glatzköpfigen, einfachen Menschen.
Das hielt der Junge nicht aus. So packte er seine drei Sachen und flog davon – ganz weit weg. So weit weg, dass die verletzenden Worte nicht mehr bis zu ihm reichten. Er flog so lange bis er das Märchenland erreichte. Dort wehte der Wind die Musik in alle Richtungen, und die Menschen lachten und tanzten. Gleich lud man ihn zum Tanz. Niemand wollte wissen, wo seine goldenen Haare waren! Er lachte so laut und ausgelassen wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Er tanzte soviel, dass am nächsten Tag seine Füße schmerzten. Doch sein goldenes Herz war gefüllt mit Liebe und Freude, schlug im Takt mit allen glücklichen Menschen, die in diesem Land lebten.
„Wo kommt ihr her und was macht ihr hier?“ fragte er alle, die er traf. „Das ist unwichtig. Es ist nur wichtig, dass wir hier sind, weil wir glücklich sind“, antworteten die Menschen und fingen an zu singen.
Obwohl es dem Jungen hier sehr gut ging, brach die Zeit an, wieder nach Hause zurück zu kehren. „Ich glaube, ich habe geträumt. Es kann so einen Ort einfach nicht geben. Ein Ort, an dem alle glücklich sind und singen.“ Um sich immer wieder zu vergewissern, dass es doch kein Traum war, flog er jedes Jahr erneut dorthin. Dort, wo die Freude, die Musik und das Glück lebten. Sogar seine Eltern waren schon mal da.
Und wenn der Junge immer noch lebt – und er lebt noch – weint er in den Nächten manchmal vor Glück, wenn er im Himmel kleine Lämmchen und Menschen aus dem Märchenland sieht, die seltsam aussehen aber ein Herz aus Gold haben.

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