Sieben Fragen an Pavlo Korobtschuk

Pavlo Korobtschuk

Pavlo Korobtschuk

Ein Dichter, ein Musiker, ein Journalist, ein Reisender, ein Sieger, ein Schriftsteller. So beschreibt man Pavlo Korobtschuk. Er wurde in Lutsk geboren und ist in Kyjiw in die Schule gegangen. Seine Werke wurden in die englische, die deutsche, die italienische, die polnische, die slowakische, die litauische, die weißrussische und die russische Sprachen übersetzt.
Er hat teil an verschiedenen literarischen Events und Festivals in der Ukraine genommen. Ebenso wie in Berlin, Moskow, Prag, Kraków und Minsk. Er ist Ehrengast des Schriftsteller Fonds Literaturwerkstatt Berlin. Er gewann mehrmals literarische Slams, sammelt Diplome, bekam Briefumschläge und Rosen (Preise der Wettbewerbe in der Ukraine), er verreist mit dem Wort und schreibt. Außerdem… spielt er Fußball und Schlagzeug.

Marushka (M): Pavlo, welcher deiner Gedichte passt am besten zu der aktuellen Situation in der Ukraine und zu Dir persönlich?
Pavlo Korobtschuk (PK): Was das Gedicht betrifft, das die elende Situation in der Ukraine beschreiben soll, passt wahrscheinlich „Der bescheidende Angestellte der Sondereinheit“ sinngemäß am besten. Was den Text betrifft, der mich am ehesten beschreibt, so wird es wahrscheinlich mein Gedicht „Renesens“ sein.

M: Wer symbolisiert für dich den Helden der Weltgeschichte und der Geschichte der Ukraine? Und welchen Mythos betreffend der Ukraine du am häufigsten widerlegen musstest.
PK: Meine Helden sind die Menschen, die sich an Ihren ukrainischen Wurzeln bis zu deren Ende hielten. Das sind die Menschen, die sowohl während der künstlichen Hungersnot gestorben sind, als auch diejenigen, die von der KGB erschossen und diejenigen, die in der Nähe von Berestetschko ertränkt wurden.
Einer der Mythen, mit dem ich letztens konfrontiert wurde, ist, dass es tatsächlich auf der Welt viel mehr bekannte Menschen mit ukrainischer Herkunft gibt, als angenommen wird.

M: Welche Verbindung hat für dich das Wort und die Musik aber auch das Wort und das Fußballspiel?
PK: Poesie ist in vielen Dingen anwesend – besonders in der Musik, aber auch im Fußball. Es lohnt sich in den verschiedensten Formen unbeabsichtigt danach Ausschau zu halten. Deswegen liebe ich Beides – sie helfen mir das Verständnis der Poesie zu erweitern.

M: Erzähl mir bitte über deinen frisch verlegten Roman, aber auch über die Entstehung und seine Entwicklung.
PK: Der Roman heißt „Ein Meer für einen Linkshänder“. Die Idee für den Roman ist 2009 nach der Kurzgeschichte über Kim Tschen Ira und Kim Ki Duka entstanden. Hier geht es darum, dass keiner weiß, wie ein Gedanke entsteht. 2011 habe ich den Hauptteil des Buches geschrieben und mit vielen Bestandteilen erweitert. Es ging schnell und leicht – ich hatte Angst, dass die Fäden der Handlung auseinanderglitten. Ich habe mich beeilt, damit ich in einem Zug den ganze Sinn wiedergeben konnte.

M: Wie wirkt sich das Projekt UPS auf die Erfahrung und die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem nahen und fernen Ausland aus. Welche Themen bringen die Schriftsteller zusammen und wo gibt es Unterschiede?
PK: Das Projekt UPS hat einen entscheidenden Schritt in die Richtung der literarisch-musikalischen Kommunikation dreier Länder – Ukraine, Polen und der Slowakei – gemacht. Dank dem UPS-Projekt haben sich neue Horizonte der Wahrnehmung und neue dichterische Gebiete aufgetan. Sicher hat jedes Land seine Besonderheiten, was das literarische Schreiben betrifft. Deswegen ist es sehr interessant zu beobachten, zu lernen und eigene Erfahrungen auszutauschen. Eine große Rolle spielt in der ukrainischen Literatur die Reim-Poesie, besonders in den letzten paar Jahren. In Europa dagegen hat man schon fast vergessen was das ist. Dort überwiegen Gedichte in verschiedensten Formen, Stilen, etc. Aber insgesamt sind kreative Menschen aus allen Ländern ähnlich – sie suchen Kontakt zu einander, verstehen sich auf Anhieb, arbeiten in die gleiche Richtung und haben ähnlichen Flausen im Kopf.

M: Was liest du gerade?
PK: Da ich zur Zeit für die Arbeit sehr viel lesen muss, höre ich viel Musik. Aber das letzte, was ich gelesen habe war der Roman von Andrij Kokotjucha „Der Rote“. Ich denke, mit so einer Dynamik und Fähigkeit den Leser fest zu halten und das während des gesamten Buches, findet man nur sehr selten in der ukrainischen Literatur.

M: Was würdest Du den Lesern, die sich für Literatur interessieren aber auch denen, die gerade anfangen zu schreiben, raten?
PK: Sucht nach den Wegen, die noch nicht beschrieben wurden. Egal, wenn auch nur wenige den Weg verstehen würden, so wird er euer sein, ehrlich und authentisch. Und noch was: Jungs zieht die Mädchen öfters an den Haaren und Mädels den Jungs öfters frech die Zunge.
Übersetzt von Zoryana Rotermund

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