Über den Wert Worte in Taten zu wandeln – Ein Mutmacher für die Spontanität

Von Nelli Kistner (Waldorfschule Kassel).
Wie viele wundervolle Gedanken entstehen jeden Tag im Unterricht… Wie viele Ansatzpunkte für eine bessere Welt, für Werte, an die wir denken müssen… Und das alles von unseren genialen Schülern. Und was machen wir damit? Nicht genug. Ich denke, es ist Zeit für mehr Projekte, für das Handeln, für das Aktivsein in der Welt. Nicht nur reden, tun. Wort gleich Tat. Ausbildung der Persönlichkeit im Handeln, im Leben, in der Welt.
So hat ein Schüler aus der 10. Klasse während meines Praktikums in Prien mit einem Gedicht eine Projektidee aufleben lassen, die wir spontan umsetzten:
Der Mond scheint hell
Die Menschen sind zu schnell
Die Zeit vergeht
Bis nichts mehr geht
Eine Seele geht
Elias Munkler (Klasse 10)
Wie viele Missstände der Gesellschaft, die die Schüler im Deutschunterricht thematisierten, ist auch die Hektik, das Vergessen des Wesentlichen ein Problem der Leistungsgesellschaft.
So versammelten sich 12 Schüler und Schülerinnen aus der 10. und 11. Klasse, um an einem Samstagvormittag im März 2013 zum Münchener Hauptbahnhof zu fahren.
Alle Teilnehmer verfassten Gedichte, Gedanken zum Thema „Zeit“, um zu erleben, was ein Stillstehen mitten auf einem großen Platz auslösen würde – bei ihnen selbst und bei den Mitmenschen.
Nach etwa drei Runden schnellem Laufen auf dem Bahnhofsplatz blieben wir stehen. Ganz still, bewegungslos.… Nach acht Minuten lösten wir auf. Doch ich hatte den Eindruck, wir hätten noch viel länger stehen können.
Nach dem Auflösen schrieben einige Teilnehmer Texte, die ihre Empfindungen während der Durchführung des Projektes wiederspiegeln.

Dieses Projekt soll in unserer Zeit vor allem in erster Linie dazu dienen, allen Menschen Mut zu machen, einfach zu tun, was sie denken. Nicht nur über die Dinge nachzusinnen bis der richtige Moment verpufft, sondern in den Strom des Lebens zu springen, um zu handeln und zu wachsen, und einander zu zeigen: Du bist einzigartig und wertvoll, deine Gedanken sind ein Geschenk für die Welt – wenn du sie lebst.
Nur dann entstehen wahres Erleben, Erkenntnisse, Lernfortschritte und Geschenke für die Welt, die man teilen möchte.
In diesem Sinne wünsche ich euch viel Freude beim Durchlesen dieser wundervollen Schülerergebnisse:
Valentin Konert (10b): Gedanken zur Zeit
Im Zeitalter der wachsenden Wirtschaft und auch der entgegengestrebten, wachsenden Wirtschaftlichkeit, beginnen die Menschen schon ihn ihrer Freizeit zu rennen. Dieses Projekt einiger Klassen der Freien Waldorfschule Chiemgau, befasst sich eben genau mit dem Thema der heutzutage stattfindenden Zeitbeschleunigung.
Um das Thema genauer sondieren zu können, werden sich alle Teilnehmer dieses Projekts, der Freien Waldorfschule Chiemgau, am Samstag dem 16.03.2013 zusammen an den Münchner Hauptbahnhof begeben, um in die rege Geschäftigkeit einzutauchen.
Beinahe jeder Mensch in der modernen Gesellschaft abgesehen von denen, die entweder noch zu jung oder schon zu alt beziehungsweise zu eingeschränkt sind, erlebt jeder den zunehmenden Wahnsinn. Jeder will seine Pflichten schneller hinter sich bringen, jeder will mehr und besseres Geld verdienen, jeder will abgesichert sein, doch führt diese Lebensweise meiner Meinung nach zu nichts außer Unglück. Gier und Ausbeutung werden damit nur gefördert und das eigentliche Leben hat keine Chance zu beginnen. An sich ist es nicht schlecht, seine Pflichten oder auch unangenehme Dinge schnell hinter sich zu lassen. Doch auch nur mit dem richtigen Hintergrund. Das heutige Leben verläuft bei den meisten Menschen wie ein Videospiel; arbeitest du hart und viel, erreichst du neue Stufen und Boni.
Bei all dem Stress, der Hasst und der innerlichen Unruhe, vergessen wir unser eigenes Wohlbefinden und die zwischenmenschlich soziale Komponente eines erfüllten Lebens.

Wozu die Eile?
Da heutzutage nichts mehr ohne Geld geht, ist es beinahe allen Menschen ein Anliegen, viel Geld zu haben um sich und/oder die Familie mit ausreichend Luxus versorgen zu können. Doch wie kommt man zu Geld wenn man kein Verbrecher werden will? Die Antwort liegt für uns auf der Hand. Mehr arbeiten. Wer viel arbeitet, bekommt mehr Geld, als die, die wenig arbeiten. So beginnen die Menschen, aus reiner Gier oder auch der puren Existenzangst, sich in Berufe zu stürzen die zwar viel Geld abwerfen, sie aber seelisch mental nicht befriedigen.
Was sind die Folgen?
Das Phänomen „Burnout“ gibt es noch nicht lange. Die Menschen sind dermaßen überarbeitet und geschafft, dass früher oder später zu einem Zusammenbruch kommt. Die Beteiligten sind innerlich komplett ausgelaugt. So können sie Tage oder Wochenlang nur im Bett liegen. Der kleinste Gedanke an Anstrengung oder gar Arbeit wirft sie wieder tiefer ins Bett.
Eine zweite Nebenwirkung ist das Unglück. Weshalb boomt denn das Geschäft mit den Büchern in denen Menschen über die Erlangung des Glücks schreiben? Wahrscheinlich, weil es eine große allgemeine Unzufriedenheit in den Herzen gibt. Geld allein macht nicht glücklich. Ist das Glückspendende doch eher die Liebe oder Freizeit. Doch sieht das Leben eines hart Arbeitenden ein solches Ziel nicht vor.
Potenzielle Lösungen für jeden selbst
So ist die Idee der vielen „Glücksautoren“ glaube ich gar nicht falsch. Sollte man es schaffen, Prioritäten in seinem Leben zu setzten und sich dann ein Ziel zu stellen, ist eine Organisation für jeden Tag gar nicht schlecht. Befinden sich Arbeit und die eigenen Prioritäten, sprich Familie, Liebe, Freizeit, Sport etc. in einem gesunden Gleichgewicht, so lässt sich mit genug Geld leben.
Fazit
Die Größte und wichtigste Voraussetzung für ein glückliches und erfülltes Leben ist aber die Wertschätzung und Dankbarkeit. So sollte man nicht nach noch höherem streben als der Gesundheit und Harmonie.
Maria Schretter ( 10b): Lauf gegen die Zeit
Die Zeit ach sie reißt an uns
zerrt an uns schleudert uns weg
nimmt uns mit und macht mit uns
was immer sie will und wie sie auch denkt.

Doch wir lassen es zu wir rennen
wir hetzen ihr hinterher
wie einen Schatz der verloren geht
und begreifen doch nicht

Der Schatz bleibt ewiglich
doch wir sehen ihn fliehen
da wir nicht lassen ihn frei
und ließen wir ihn ginge er nicht.

Was ist der Sinn in allem was uns umgibt
der Sinn der Welt und der der Zeit?
Wir wollen nur besitzen und verwalten
für uns behalten und nie mehr geben zurück.

Man kann nicht nehmen ohne zu geben,
das zeigt uns die Zeit immerzu.
Man kann sie nicht besitzen, nicht halten,
man muss sie ziehen lassen, an einem vorbei.

Nicht mitgehen sondern stehen und sehen
was dann passiert es ist das Wunder
wir kennen es nicht da wir nicht lernen
wir müssen langsam uns drehn
dann wird die Zeit nicht verwehn.

Wir sagen die Zeit läuft davon
doch wir sind es die laufen und laufen.
wir passen uns nicht der Zeit an
die Zeit passt sich uns an und verfliegt
je schneller wir rennen und rennen.

Diana Dillmann (10b): Zeit
Sie rennt, sie läuft, sie vergeht,
alle habe Angst sie kommen zu spät,
bald ist alles so gehetzt
dass man nur noch von Ort zu Ort wetzt
Keine Ruhe, keine Weile
Wir sind alle so in Eile.

Ronja Maurer (10b): Gedanken zur Zeit
Zeit. Was ist Zeit? Und wovon wird sie beeinflusst? Vergeht sie schneller, wenn wir älter werden? Oder lernen wir einfach, die Zeit besser zu nutzen und füllen sie mit Terminen, Zielen und Plänen aus?
Ich denke, in unserer Gegenwart, also im Hier und Jetzt, sind wir so sehr damit beschäftigt, etwas zu erreichen oder etwas zu schaffen, dass wir gar nicht mehr mitbekommen, wie schnell die Zeit vergeht. Und doch sind wir von ihr abhängig, planen alles auf die Minute genau, planen alles im Voraus und nutzen alle Zeit, die wir haben aus. Doch ist die Frage dann, wofür wir unsere Zeit nutzen, wie wir sie sinnvoll nutzen können.
Wahrscheinlich hat jeder eine andere Vorstellung von der Zeit. Einige wollen etwas schnell hinter sich bringen und wieder andere wollen, dass die Zeit stehen bleibt. Doch die Zeit lässt sich weder beschleunigen noch anhalten. Sie ist das Beständigste von je her und wird es immer sein. Also sollten wir in der Gegenwart mehr darauf achten, was wir mit unserer Zeit machen!
Wir sollten sie sinnvoll nutzen, denn sie vergeht schneller als man denkt.

Maria Sichler (10b): Gedanken zur Zeit
Unser gesamtes Leben wird von der Zeit geprägt, es beeinflusst uns in allem, was wir tun, es leitet uns in jeder Lebenslage, ja, wir sind regelrecht abhängig von ihr. Keiner könnte sich in der heutigen Zeit vorstellen ohne Uhr bzw. ohne Zeit zu leben. Es umgibt uns ein Gefühl von Kontrolle, Kontrolle über unser eigenes Leben, über den Tag, über die Stunde, über die Sekunde.
Wir hetzen von einem Standort zum nächsten, ohne dabei zu merken, wie lebenswert das Leben ist und dass man jede Sekunde genießen sollte.
Was ist schon Zeit? Gibt es nicht Wichtigeres als der Zeit hinterher zu hetzten, sie anzuhalten oder sie zu verdrängen?
Wir haben so viel Zeit wie wir uns nehmen. Das heißt, es hängt von uns ab, wie viel wir haben oder wie sehr wir von der Zeit abhängig sind.
Zeit vergeht wie im Flug und wir versuchen, sie so gut wie möglich zu nutzen, aus ihr zu profitieren, etwas zu schaffen, etwas zu vollbringen. Verzweifelt versuchen wir gegen die Zeit anzukämpfen. Dabei ist Zeit so ziemlich das einzige, was wir nicht aufhalten können…
Paula Mewes: Wenn der Augenblick zur Ewigkeit wird
Ihre Arme waren fest um Sie geschlungen.
Sie hörte ihr Herz in ihrer Brust schlagen. – Abschied.
Doch ihre Gedanken hielten inne, sie war nirgendwo anders als im Hier und
Jetzt, im Moment.
Nichts und Niemand hätte sie aus diesem Moment reißen können. – Nichts.
Gefühle die sich sammelten. Eine Sekunde, eine Minute, sie weiß nicht, wie
lange sie dort standen und sich in den Armen hielten.
Die Zeit war wie erloschen, stehen geblieben.
Nichts anderes hat sie wahrgenommen – keine Geräusche, keine Gerüche –
nichts. Nur sie und sich.
Dann, ein Jahr später.
Wie vieles war doch in der Zeit eines ganzen Jahres passiert, was hatte sich
verändert?
Während sie dort war, irgendwo am anderen Ende der Welt, schien ihr die Zeit
völlig normal vor sich hin zu ticken, nicht schneller und nicht langsamer.
Doch plötzlich war da ein Ende. Ein straffer Strich – mitten durch.
Es ging zurück.
Auf einmal schienen ihr die ganzen Monate nur wenige Wochen gewesen zu
sein, welche ihr zuvor völlig gewöhnlich vorkamen.
Ja, da war sie wieder, in ihrer Heimat. Völlig herausgerissen aus allem was war.
Wieder ein Moment, in dem ihr der Augenblick wie eine unbestimmte Ewigkeit
vorkam.
Das Jahr vorbei, es hieß wieder ankommen.
Noch war es nicht soweit, doch sie wusste in vielleicht einer halben Stunde
würde sie sie wieder sehen und in die Arme schließen können, wie auch vor
einem Jahr, als sie Abschied nahmen.
Doch diese halbe Stunde schien nicht zu vergehen, die Zeit kroch langsamer als
eine Schnecke.
Dieser Moment, den sie so lange ersehnt hatte, schien nun scheinbar greifbar
und kam doch wiederum nicht so schnell wie sie sich erhofft hätte.
Diese unbeschreibliche halbe Stunde verging schlichtweg nicht.
Jetzt, endlich, der Sekundenzeiger machte seine letzten Schritte, um die 29
Minuten auf 30 Minuten zu runden, und auch sie machte ihre Schritte um den
Raum zwischen ihnen auszulöschen.
Um sie herum standen viele Menschen.
Ihr Blick begann durch die Massen zu wandern, von Gesicht zu Gesicht, auf der
Suche nach den Augen, die ihren Blick erwidern würden.
Plötzlich wurde das lebendige Rauschen der Menschen um sie herum immer
leiser, ja nahezu stumm.
Die Menschen schienen alle nicht mehr da zu sein, zumindest nahm sie diese
nicht mehr wahr.
Wieder hatte sich ihr Gehirn ausgeschaltet.
Sie hielt Sie wieder in ihren Armen und in ihrem Kopf drehte sich die Zeit
zurück. Zurück zu dem Gefühl, welches sie damals vor einem Jahr schon
einmal erlebt hatte. Es war beinahe das Gleiche, nur, dass die Tränen, welche
jetzt warm über ihre kalten Wangen liefen, Tränen der Freude waren.
Bereits nach einer Woche zurück in der Heimat, schien ihr all das was war, wie
eine Ewigkeit her zu sein.
Aber eigentlich ist eine Woche gar nicht so viel.
Doch da waren auf einmal wieder so viele, scheinbar neue, andere Eindrücke.
Das Leben gefüllt mit Altem, woran sie sich erst einmal wieder gewöhnen
musste, es annehmen, neu entdecken.
Jeden Tag möchte ich genießen, jede Sekunde, denn Zeit verfliegt so schnell.
Bevor ich auch nur die Möglichkeit habe darüber nachzudenken, ist alles schon
Vergangenheit.
So ist das im Leben, jeder einzelne Tag ist eine Erinnerung.
Für mich sind es Erlebnisse, die oftmals zur Ewigkeit zu werden scheinen.
Ausschlaggebende Momente, welche mein Leben prägen und mir immer in
Erinnerung bleiben werden.
Da spielt die bestehende Zeit kaum eine Rolle. Sie tickt und fliegt davon. Denn
im entscheidenden Augenblick scheint es, als ob die Zeit stehen bleiben würde.
Lea Schultze-Naumburg (11a): Gedanken zum „Zeitgeschehen“
Ich sitze hier und sehe den vorbei eilenden Menschen zu, wie sie hasten, stolpern, rennen, nur um keine Sekunde ihrer kostbaren Zeit zu verlieren.
Es kommt mir so vor, als würde die Zeit in mir still stehen – und ich fühle mich. Ich fühle für kurze Zeit einfach nur mich, während um mich alles weiter hastet und eilt.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn die Zeit verschwinden würde. Ein Leben ohne Sekunden, ohne Minuten, ohne Stunden, ohne Tage ohne Wochen, ohne Jahre….
– Zeit.
Ständig versuchen wir möglichst viel von der wenigen Zeit, die uns gegeben ist, zu sparen. Unsere Gedanken drehen sich immerzu um die Zeit, die gegangen ist und um die Zeit, die kommt; um Termine in der Zukunft, in der nächsten Stunde, am nächsten Tag, doch nie sind wir einfach, voll und ganz im Hier und Jetzt.
Wieso?
Passiert nicht auch im Jetzt, in diesem Moment viel zu viel als das unsere Gedanken ständig in der Zukunft schweben müssten? Geschieht nicht in jeder Sekunde so viel, dass wir erfüllt genug wären, würden wir uns diesem Jetzt einfach hingeben und uns auf die Gegenwart einlassen?
– Wenn wir von einem Termin zum anderen eilen, sind wir dann nicht auch im Jetzt?
Natürlich sind wir das. Doch wo sind unsere Gedanken? Sie stehen schon längst im nächsten Termin; planen schon jeden einzelnen der folgenden Schritte.
Ist es nicht einfach so, dass wir in der Gegenwart, im Leben nicht mehr genug natürlich Kämpfe leisten müssen, sodass wir uns neue Schwierigkeiten erbauen? Ist es nicht so, dass an anderen Orten dieser Welt, wo Menschen noch genug Sorgen und Überlebenskampf haben, die Eile nur halb so groß ist? Dort leben die Menschen im Hier und Jetzt, und obwohl es ihnen den Umständen nach viel schlechter geht, als uns Europäern, haben sie viele Stunden des Glücks mehr als wir, da sie etwas besitzen, was wir nicht haben: die Fähigkeit die Zeit zu genießen.
Die Zeit ist ein Geschenk, dass jeder von uns bei seiner Geburt erhält. Sie begleitet uns unser Leben lang; sie lässt uns nie im Stich; sie lehrt uns zu leben, sie ist immer da; – läuft nicht davon.
Doch scheint ein große Teil der Menschen zu denken, sie sei nur geborgt und man müsse sie zurück zahlen oder zumindest einen Teil von ihr. Man eilt und hastet nur um irgendwo ein Fetzen Zeit zurücklegen zu können.
Hat man Angst, dass irgendjemand kommen könnte, um die Zeit zurück zu fordern. Was ist es was uns immer zu dieser Eile treibt. War es schon immer so? – Nein. Wieso jetzt?
Lea Schultze-Naumburg (11a): Es ist die Uhr, die weiter tickt
Ständig hör ich diesen Satz: „Ach, wie schnell die Zeit vergeht!“
überall zu aller Orte, und mit Bedauern muss ich sagen,
trotz meiner klugen Worte, dass es mir nicht anders geht;
auch ich gehöre schon zu denen, die die Zeit allseits beklagen.
Doch es ist nicht die Zeit, die uns flink durch die Finger gleitet,
auch wenn schon fast vergessen: es ist die Uhr die weiter tickt.
Es ist nicht die Zeit, die uns erfasst, die uns würgt und erstickt
Sie ist´s nicht, die vergeht, sie bleibt, sie ist´s, führt und leitet.
Wir sind´s, die ihr davon laufen, wir wollen nie Mals still stehen.
Wir denken, man kann alles kaufen und wollen nicht verstehen,
das Zeit nicht Geld ist, nein, viel länger formt sie Leben und erquickt,
kennt weder Eile, noch das gute Geld, – es ist die Uhr, die weiter tickt.

Maria Sichler (10a): Erleben im Stillstehen
Hektik, Stress und unendlich viele Stimmen und Geräusche. Wir waren angekommen inmitten des Münchener Hauptbahnhofs, und ließen uns mit dem Strom der Menschen mitreißen. Ich war schon oft an diesem Ort gewesen und doch war’s diesmal etwas anderes. Mir kam es so vor als würden die Menschen viel lautere, hektischere und schnellere Bewegungen machen als die anderen Male, die ich dort gewesen bin. Doch es war schlicht und einfach das erste Mal, dass ICH darauf geachtet hatte.
Meine anfängliche Skepsis dem Projekt gegenüber häufte sich als wir die ersten Sekunden in unserer „Freeze“-Stellung verbrachten. Doch schon nach kurzer Zeit war ich überwältigt. Erstaunte Blicke zogen an uns vorüber, Menschen drehten sich trotz ihrer Eile zu uns als wäre es ein Wunder, dass wir einfach nur standen.
Mich erfasste ein Gefühl der Ausgeglichenheit. Ich weiß nicht genau, was, aber irgendetwas beruhigte mich. War es das Gefühl, dass alle Hektik und der Stress an mir vorüber zogen oder war es das Gefühl, inmitten einer Gruppe zu stehen und doch aus der Menge herauszustechen? Ich wusste es nicht, mir kam es so vor, als würde die ganze Welt sich drehen und nur ich blieb stehen.
Obwohl die Geräuschkulisse hoch war, empfand ich ihre Stille. Einige versuchten diese Stille mit Wörtern, Tänzen oder einfach nur mit Blicken zu durchbrechen, ich blieb jedoch standhaft. Mich erstaunte die Reaktion der stehenden Passanten. Nicht derjenigen, die uns einen kurzen verwunderten Blick zuwarfen und weitergingen, sondern jener, die immer wieder und intensiv zu uns blickten, sich aber gleich wieder abwandten. Es sah so aus, als schämten sie sich offensichtlich, ihr Interesse zu zeigen.
Da standen wir nun also zehn Minuten,
zehn Minuten ohne die alltägliche Hektik,
zehn Minuten, die sich gut anfühlten,
zehn Minuten, die man wiederholen sollte.
Lea Schultze-Naumburg (11a): Erlebnisse im Stillstehen
Wir steigen aus dem Zug aus. Da dieser weit draußen am Bahnhof, Gleis 6, gehalten hat, strömt nun alles zum Zentrum. Obwohl ich nicht in Eile bin lasse ich mich mit dieser Hasst mitreißen. Das ist nicht schwer, die Eile hat einen schnell erfasst. Ein Mann kommt mir entgegen. Er schaut mich nicht an, er schaut gerade aus an mir vorbei. Mit voller Wucht rempelt er mich an, sodass ich zur Seite gestoßen werde. Er dreht sich nicht um.
Im Bahnhof ist nicht so viel los. Wir drehen unsere Kreise mit raschem Tempo. Dann bleiben wir vor den Gleisen stehen. Bewegen uns nicht mehr.
– Einige kurze Augenblicke lang kommt es mir vor als wäre alles still, doch nimmt um mich herum alles seinen Lauf. In mir ist Stille, um mich ist nichts verändert. Die Zeit scheint stehen zu bleiben, die Uhr tickt weiter.
Niemand scheint uns zu sehen, sie rennen blind an uns vorbei. Doch ich scheine plötzlich alles zu sehen.
Zeitgeschehen.
Kinderaugen treffen auf die meinigen. Verwunderung spiegelt sich in den asiatischen Augen, der Mundschutz weist auf die fremde, von Menschen überfüllte Welt hin.
Wenige sehen uns. Die, die langsam vorüber gehen, die, die Augen offen haben, dass sie etwas suchen. Reaktionen: Verwunderung, Irritation.
Da fängt ein Mann vor der erstarrten Gruppe an zu tanzen, ein kleiner Mann, ein Asiat. Auch er aus dieser fremden, überfüllten, hektischen Welt.

Als die Gruppe auseinander geht als wäre nichts geschehen, wieder in die Hektik einsteigt, scheint mir alles gleich, alles wie immer, nichts verändert. Um mir die Hektik. – Aber ich fühle sie nicht mehr. In mir ist alles ruhig, gelassen.
Paula Mewes (11a): Erleben
Stehen im Stress aller Menschen.
Musternde Blicke fallen auf dich,
lassen dich auffällig wirken.
Eine monotone Stimme spricht.
Zeit und Ort.
Alles setzt sich in Bewegung,
Gerade dem Ziel entgegen.
Du stehst.
Tunnelblicke umgeben dich.
Wer verfügt über Wahrnehmung?
Beinahe nichts und niemand.
Du nimmst wahr.
Jeder in eine Richtung.
Erschreckende Verschlossenheit.
Du bist.

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