Seminar für Waldorfpädadogik in Lutzk, Westukraine „Pädagogik der Gegenwart“.

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Als ich ein Kind war, wollte ich sofort erwachsen werden. Und wie alle sowjetischen Kinder, hasste ich meinen Kindergarten. Die Erzieherinnen hassten mich auch. Vielleicht lag es daran, dass ich ein dickes und hässliches Baby war, oder weil ich die ganze Zeit vor der Tür schrie. Ich wollte erwachsen werden, um im Stehen essen zu können wie meine Erzieherin. Ich wollte groß werden, um keinen Mittagsschlaf zu halten. Ich hasste den Kindergarten, weil ich mich dort unwohl fühlte.
„Nicht weinen!“, „Nicht spielen!“, „Nicht schreien!“…Die Menschenrechte haben keine Chance in einem Land, wo alles mit „nicht“ anfängt. Und wenn du das jeden Tag hörst, fängst du irgendwann an zu glauben, dass „nicht“ möglich ist, besser gesagt, dass nichts ist möglich.
Ich erinnere mich an schönes Gesicht von meine Erzieherin. Die war bildhübsch für mich mit ihre lockene Frisuer und rosa Lippen. Wenn sie uns vor dem Schlaf ein Märchen laß, klang ihre Stimme so eiskalt wir das Herz von Einkönigin. Während sie laß wir kleine Kinder einschlief vom Shock weil hübsche Erzieherin hasste uns da wir Kinder schuldig waren das der Prinz die nicht in diesem scheiss Kindergarten finden konnte.
Ich erinnere mich an den Blick meiner alten und hässlichen Erzieherin (es waren immer zwei Erzieherinnen: eine junge und hübsche und eine alte, hässliche und sehr böse), die mich mit dem Blick töten wollte, wenn mich keiner rechtzeitig abgeholt hat. Schon damals verstand ich, dass die Erzieherinnen nicht interessierte, dass für mich damals LKW Fahrer der beste Beruf war. Die Hauptsache für sie war, alles, was in der Familie vorging, zu hinterfragen, um sie während der ständigen Sprechstunden zu belasten.
Wir Kinder waren für die Erwachsenen wie Gesetze für die Politiker. Man weiß, dass es sie gibt, aber versteht nicht, was man damit anfangen soll. In Hamburg, wo ich jetzt wohne, gibt es verschiedene Kindergärten: von den Musikalischen bis zur Lieblingsfarbe des Kindes. In Lutzk, einer ukrainischen Stadt im Westen, wo ich geboren wurde, gibt es bisher nur Kindergärten mit verschiedenen Nummern, die Initiative spielt keine Rolle. Kindergarten Nummer 1,2,…
Wenn ich meine Nichten von Kindergarten abhole, riecht es dort wie in meiner Kindheit, die gleiche Lockenfrisur, rote Lippen statt der lilanen, Spielzeuge, mit dem man nicht spielen darf, und Feste für die Eltern.
Das Porträt von Lenin, vor dem meine ersten mutigen Auftritte als kleine Ukrainerin stattfanden, ist verschwunden. Obwohl es sein könnte, dass er im Keller ist, wo auch alle anderen sowjetischen Erinnerungen warten. Der postsowjetische Schatten ist geblieben. Die Kinder meiner Freunde in der Ukraine wollen nicht in den Kindergarten, aber die Eltern müssen arbeiten. Die Kleinen weinen und heulen nach den täglichen Ritualen, doch werden letzendlich brav und gehorsam. Dieselbe Frisur bei den Jungs und nicht voneinander zu unterscheidende, emotionslose Gesichter von neuen Eisköniginnen.
Ich bin groß geworden. Und ich möchte neue Kindergärten in der Ukraine und in Deutschland gründen, weil ich die Kindheit und das Spiel liebe.
Ohne Lenin an der Wand und auch nicht, um den Eltern etwas zu zeigen.
Mein Papa ist ein ganz normaler LKW Fahrer. In den 80ern gründete er in meiner Stadt eine Initiative für die ersten ukrainischen Kindergärten.
Es gibt viele alternative Kindergärten in Hamburg, sogar japanische. Aber keinen deutsch-ukrainischen. Es gibt auch keinen Waldorfkindergarten in Lutzk. Muss wohl so sein.
Vom 22. bis zum 25. März fand in Lutzk schon das 3. Waldorfseminar für zukünftige Waldorferzieher/innen und Waldorflehrer/innen statt.
Im März bespricht eine Initiative in Hamburg das Konzept von interkulturellen Kindergärten, in denen es eine ukrainische Gruppe gibt.
Die Wirklichkeit.
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